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Lesezeichen [ Info senden # QR-Code ] Mo 27 März 2017 22:33:32


 Pressespiegel
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Besuch bei einem Verführungstrainer

Mit Vollgas in die Hüftgegend

Von Wlada Kolosowa

Stefan Strecker arbeitet seit 13 Jahren als Verführungstrainer. In Kursen lehrt er paarungswillige Männer, auf Hirn, Herz und Hüfte zu achten. Bringt er Teilnehmer um den Verstand oder nur um ihr Geld?

Nicht zu schlapp, nicht zu fest. Nicht zu kurz, nicht zu lang. Tiefer Blick in die Augen. Der Begrüßungshändedruck ist bis ins kleinste Detail durchdacht. "Der Körper spricht immer mit", wird Stefan Strecker, 36, später sagen. Er trägt die Haare zum Dutt gebunden, Jeans, weißes Hemd, darunter ein Holzkettchen, wie es die Surfer-Jungs in der Oberstufe haben. "Auch Kleidung spricht", wird Strecker erklären. Mit solchen Sätzen verdient er Geld. 350 Euro pro Teilnehmer für ein Wochenende. Stefan Strecker ist Verführungscoach, nach eigenen Angaben der erste Deutschlands. Seit 13 Jahren schreibt er Bücher zum Thema und gibt Seminare.

"Jetzt kommt nicht: Wasch dich, dann klappt es mit den Frauen. Aber auch nicht: "Wie komme ich durch ihr Herz in ihr Bett?", so beschreibt Strecker das Programm. Es soll keine Plattitüden geben, aber auch keine Abschlepp-Anleitungen, wie man die weibliche Beute erlegt. "Verführung sollte keine Jagd sein, eher ein Spiel, das um seiner selbst Willen betrieben wird."

Seine Klienten könnten verschiedener nicht sein, sagt Strecker. Zu seinen Seminaren kämen Nerds, mit Chipskrümeln am schwarzen Kapuzenpulli und Zwei-Liter-Cola-Flaschen im Rucksack. Aber auch ein männliches Model sei dabei gewesen, das sich nichts sehnlicher wünschte, als dass seine Dates vor dem Fernseher endeten, und nicht immer in den Betten der Frauen.

Loser seien ihm generell lieber als Machos, sagt Strecker. Es sei fast unmöglich, Chauvis Einfühlsamkeit beizubringen, die wichtigste Voraussetzung für Verführung.

Tipp 1: Reden Sie über Sinnliches und Romantisches

Die drei, die an diesem Samstagvormittag im Seminarraum eines Kölner Hotels sitzen, seien eine "leichte Truppe":

Thomas, 22, Maschinenbauer, Bürstenhaarschnitt, hat ein liebes Gesicht, das auch noch mit 40 etwas Bubihaftes haben wird. Er ist beim Seminar, um wieder selbstbewusster zu werden. Seitdem mit seiner langjährigen Freundin Schluss ist, sei es wie verhext. "Ich habe das Gefühl, ich habe die Sache mit den Frauen verlernt."

Martin, 36, Suchmaschinenoptimierer, ein bodenständiger Kölner in Kargo-Hose, ist seit fünf Jahren Single. In den letzten Jahren war er auf der ganzen Welt unterwegs, seit kurzem ist er wieder sesshaft. Jetzt eine Dame an seiner Seite, das wäre schon schön. Online-Dating sei ein Desaster gewesen, und Clubs, na ja. "Man wird erwachsen. Ich mach jetzt nicht mehr jeden Samstag Halligallidrecksau."

Jonas, 21, Optiker-Azubi, riesige Augen, zartgliedrige Finger, glattes Gesicht, sagt kaum hörbar: "Ich bin hier, weil ich an mir arbeiten möchte." Seine Eltern waren strenge Zeugen Jehovas, die nicht einmal Händchenhalten erlaubten. Vor zwei Jahren ist Jonas mit seiner Mutter ausgetreten. An die Freiheit hat er sich gewöhnt, die Mädchen blieben Wesen vom anderen Stern.

Keiner der drei schämt sich, Nachhilfe in Sachen Frauen zu benötigen. Ihre echten Namen wollen sie trotzdem nicht in diesem Artikel lesen.

Strecker malt drei Kreise auf das Flipchart, in jedem steht ein H: Hirn, Herz, Hüfte. Der Tipp: Wer nicht für immer nur Kumpel bleiben möchte, soll über Sinnliches und Romantisches reden. "Wer in die Herz-Gegend und tiefer will, darf nicht nur mit dem Hirn sprechen."

Tipp 2: "Nicht die Hübscheste ist die Richtige"

Der Vormittag vergeht mit einer Mischung aus Kalenderblattweisheiten ("Sei freier; sei authentischer; du musst dich selber lieben, bevor es jemand anderes tut"), ein paar Männermagazin-Tipps ("Nicht die Hübscheste ist die Richtige; Frauen mögen keine dreckigen Fingernägel; mal ein Teelicht ins 'Vapiano' mitnehmen, für die Romantik") und einer Portion Esoterik. Strecker beschäftigt sich auch mit Shamanismus, Meditation und Yoga. Halb Guru, halb Großstadt-Cowboy, steht er vor dem Flipchart und referiert über Energieaustausch, Energieniveaus, Energiefluss. Jonas schreibt mit, Martin hat den Kopf zur Seite gelegt. Aufmerksamkeit? Skepsis?

Nach dem theoretischen Teil geht es "Infield" - zum Üben in die Fußgängerzone. Zuerst sollen wir die vorbeilaufenden Frauen anschauen. "Geile Beine, das ist zu wenig", sagt Strecker. Wichtiger sei, "wie ihre Energien schwingen".

"Also ob sie mit dem Hintern wackelt?", fragt Martin.

"Nein. Ja. Also auch. Es kommt auf das Gesamtbild an. Ob sie beim Gehen eine positive Ausstrahlung hat."

"Und was ist, wenn mir eine gut gefällt, aber die Energien fließen nicht so, wie sie sollen? Oder wenn sie Fahrrad fährt?"

Nach der Frauenschau teilt man sich in Zweiergruppen auf. Die Übung: Einer ist angeblich auf der Suche nach neuen Klamotten, der andere soll von fremden Frauen Tipps für seinen Kumpel einholen. Es läuft gut. Die Studentinnen, die Chucks-Mädchen und sogar die in Blusen geben viele Ratschläge. Niemand kassiert eine Abfuhr - aber auch niemand eine Handynummer.

"Jetzt habt ihr doch gesehen: Die Frauen beißen nicht", sagt Strecker, als die Gruppe wieder zusammenkommt.

"Ja, aber was hätte ich sagen sollen, damit es in die Hüftgegend geht?"

"Es gibt kein Zauberwort", antwortet Strecker. Und genau das ist das Problem: Die meisten wollen genaue Anleitungen, an denen sie sich festhalten können. Anstatt seine Aufgeregtheit hinter einem Spruch zu verstecken, solle man offen zeigen, dass die Frau so großartig sei, dass sie einem die Sprache verschlage, sagt Strecker.

Tipp 3: Legen Sie den Testosteronschalter um!

"Verführung ist kein Mittel zum Zweck. Man soll nichts erwarten, einfach den Moment genießen." Nicht die Frauen konsumieren, sondern sich bewusst werden, dass Äußerlichkeiten allein nicht alles sind. "Der glückliche Mensch mit roten Ohren wird mehr Erfolg haben als der mit der perfekten Strategie."

Mit sich selbst ins Reine zu kommen ist allerdings ein großes Vorhaben für zwei Tage. Und so gleicht das Seminar einem Grabbeltisch, auf dem neben guten Gedanken viele Glückskekssprüche angeboten werden und auch bizarre Ideen: den Weg zur Dönerbude als erotische Anleitung vortragen; der süßen Kellnerin vom Kakaoschlürfen aus dem Bauchnabel erzählen. Oder der sogenannte Testosteronschalter: Vor der Flirt-Attacke wackelt man mit den Nüstern und schnaubt, um den Mann in sich zu wecken.

Die Technik, die Strecker unter anderem in seinen Seminaren anbietet, heißt NLP-Verführung. NLP steht für neurolinguistisches Programmieren und ist eine Sammlung von Kommunikationstechniken, mit denen man angeblich andere schnell und einfach beeinflussen kann. Zum Beispiel, indem man Gesten, Tonfall und Sprechgeschwindigkeit des Gegenübers spiegelt, so Vertrauen schafft und dann die Führung der Konversation übernimmt.

Tipp 4: Liebe ist wie die Sonne - sie gibt und verlangt nichts zurück

Kritiker sprechen von einer Pseudowissenschaft. Verführt werden bei solchen Seminaren vor allem die Männer selbst - und zwar dazu, ihr Geld beim Trainer zu lassen.

Die Werbung zu Streckers Seminaren verspricht, dass den Teilnehmern beigebracht werde, "wie sie die Codes ihrer Persönlichkeit finden und damit jede beliebige Botschaft widerstandslos in ihr Unterbewusstsein schleusen können!" Wenn man mit Strecker unter vier Augen spricht, erzählt er von Liebe als grenzenloser Freiheit, die wie die Sonne sein sollte - weil sie gibt und nichts zurück verlangt. Er spricht von Liebe als der Grundfarbe unseres Lebens, die alle Facetten beinhaltet und durchdringt.

Und was hat Liebe mit seinem Seminar zu tun? "Gar nichts. Die meisten, die hierher kommen, suchen nach Befriedigung. Die meisten merken dann aber, dass da noch etwas anderes, Größeres, ist."

Seine Techniken seien Krücken, die man ablegen soll, sobald man laufen gelernt habe, sagt Strecker. Vielleicht fühlen sich die Teilnehmer tatsächlich sicherer. Jonas, mit dem ich ein paar Wochen nach dem Seminar skypte, erzählte mir, dass er bei einer langen Zugfahrt mit einer Fremden ein paar Worte gewechselt habe - früher unvorstellbar. Und vielleicht ist Streckers bester Ratschlag: einfach mal lächeln und Hallo sagen. Den gibt es hiermit umsonst. Die 350 Euro können Sie sich sparen.


Quelle: SPIEGEL ONLINE vom 24. Mai 2012.


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Der Inhalt dieser Seite wurde am 26.05.2016 um 09.45 Uhr aktualisiert.
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