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Lesezeichen [ Info senden # QR-Code ] Mo 27 März 2017 20:16:15


 Pressespiegel
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Sitzordnung

Platz da!

Von Christian Schlesinger

Konferenzen und Meetings sind wie Schauspielbühnen. Schon die Sitzordnung gibt viel preis über die Teilnehmer. Psychologen sind überzeugt: Der Sitzplatz am Konferenztisch verrät nicht nur die Rolle und den Status, sondern auch die innere Geisteshaltung, die jemand in Wahrheit einnimmt.

Wo sitzen Sie das nächste Mal im Meeting: wieder auf Ihrem Stammplatz? Warum eigentlich? Und warum sitzen Krause, Müller und der Chef stets da, wo sie bereits vergangene Woche Platz genommen haben?

Bisher dachten Kommunikationsexperten: alles Routine. Wer sich einmal an seinen Platz gewöhnt hat, genießt fortan die Sicherheit des immer gleichen Ritus. Der Stammplatz - er markiert vor allem ein eigenes Territorium, das sich jemand mit wachsender Betriebszugehörigkeit erkämpft hat und nun besetzt hält.

Falsch gedacht: So setzen sich erstaunlich oft ausgerechnet die Meinungsgegner auch am Konferenztisch gegenüber, der Chef gerne mit dem Blick zur Tür und die ihm wohlgesonnenen Mitarbeiter instinktiv in dessen unmittelbare Nähe. Der Grund: Schon vorab legt jeder seine geistige Position fest und verhält sich unbewusst danach.

Die Geheimnisse der Konferenzpsychologie hat die US-Psychologin Sharon Livingston enträtselt. Die Unternehmensberaterin hat im Laufe ihrer Karriere mit mehr als 40 000 Arbeitnehmern und Vorgesetzten gesprochen, sie beobachtet und analysiert. Ihr Fazit: Wo wir sitzen, zeigt, wie wir denken. Nach ihrer Theorie bestimmen vor allem sieben Typen die Alltagskonferenzen — vom Chef über den hartnäckigen Widersacher bis hin zum eifrigen Zustimmer (siehe Illustration). Wer den Sitzcode durchschaut, kann nicht nur das Verhalten seiner Mitstreiter besser entlarven oder beeinflussen - er kann so auch aktiv seine eigene Rolle innerhalb des Teams, der Abteilung oder des Unternehmens neu definieren.

Die Sitzordnung in einem Meeting "spiegelt in hohem Maße die Rangordnung in einem Unternehmen wider", sagt Conny Antoni, Arbeits- und Organisationspsychologe an der Universität Trier. Neben formellen Rollen wie Manager und Mitarbeiter tragen Konferenzen vor allem zur "Verteilung der informellen Rollen" bei.

Die Nähe zur Macht signalisiert dabei den Status am stärksten, darin sind sich die Kommunikationsforscher einig. Wer dicht am Chef sitzt, profitiert von kurzen Seitengesprächen, kann sich rückversichern und wird dadurch automatisch begünstigt. "Führung ist ein Zuschreibungsprozess", sagt Antoni.

So erhoffen sich all diejenigen, die in der Nähe der Machtzentrale sitzen, dass der Glanz der Leitfigur früher oder später auf sie abstrahlt. Insbesondere Leute aus der zweiten und dritten Reihe zeigen damit subtil, dass sie natürlich längst zum engeren Führungszirkel gehören sollten.

Die wenigsten sind sich bewusst, "dass vom Sitzplatz eine enorme Symbolkraft ausgeht, die Status und Führungsanspruch beeinflusst", sagt Führungskräftecoach Martina Schmidt-Tanger.

Die Psychologin ist Lehrbeauftragte an der Ruhr-Universität Bochum und Trainerin von Neurolinguistischem Programmieren (NLP). Der Forschungszweig beschäftigt sich mit der Wirkung von Verhaltensweisen wie Körpersprache, Mimik, Nähe und Distanz. Menschen kommunizieren "viel stärker nonverbal als mit Worten", sagt Schmidt-Tanger, weil die körperlichen Verhaltensmuster "vom Gehirn schneller entschlüsselt werden".

Wer regelmäßig neben dem Boss sitzt, von ihm ein paar Mal mit Namen angesprochen wird, besser noch mit Vornamen; zwischendurch mit ihm kurz plaudert oder synchron über einen Insider-Gag lacht, zeigt anderen Gruppenteilnehmern subtil: Ich gehöre zum Führungsgespann!

Der Haken: Das Prinzip funktioniert auch andersherum. So senden Nachwuchskräfte wie erfahrene Manager in Meetings unabsichtlich auch falsche Signale.

Ein Platz mit dem Rücken zur Tür zum Beispiel ist strategisch äußerst ungünstig. Für die meisten Beobachter gilt er als "der statusniedrigste Ort", sagt Schmidt-Tanger. Wer dort sitzt, erkennt eintretende Kollegen zuletzt, muss sich jedes Mal umständlich umdrehen und bei fehlenden Unterlagen wird er nicht selten gebeten, die nötigen Dinge "mal eben" zu holen. Ein Laufburschenjob.

Der Platz mit Blick gegen das Fenster ist ebenso von Nachteil. Wer dort sitzt, muss andere Teilnehmer, die mit dem Rücken zum Fenster sitzen, stets im Gegenlicht anblinzeln. So geblendet gerät seine Erscheinung leicht ins Zwielicht: Wer so dreinschaut, wirkt irritiert und unsicher. Nicht gerade wie ein Macher mit Durchblick.

Auch nicht besser: der Stuhl am Kopfende des Tisches, weit weg von Beamer, Projektionsfläche oder Flipcharts. Die technischen Hilfen können willkommene Gelegenheiten sein, den eigenen Standpunkt per Fingerzeig zu betonen. Fernab des Geschehens sieht man dagegen womöglich nicht alles und verpasst so die Chance, während einer Diskussion spontan das Wort zu ergreifen. Strategisch wesentlich klüger verhält sich, wer die Nähe zum Hauptredner sucht - der Alpha-Person des Meetings, der sowieso alle Blicke zufliegen.

So gut wie immer geht es bei den Konferenzstandorten darum, Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und möglichst viel "Raum einzunehmen", sagt Schmidt-Tanger. Ebenso, wie es die Mächtigen tun, indem sie das gesamte Kopfende des Tisches für sich beanspruchen oder ihre Unterla-gen über einen Großteil des Tisches ausbreiten.

Wer jetzt einige Stühle weiterrückt, um dem Chef möglichst nahe zu kommen, macht jedoch womöglich einen Fehler. Der optimale Karriereplatz liegt nicht immer im Machtzentrum. Schon in den Siebzigerjahren fand der britische Psychologie-Professor Meredith Belbin heraus, dass für den Meetingerfolg der Mix aus verschiedenen Rollen entscheidend ist: Der Teamleiter ist genauso notwendig wie der Kreative, der Kritiker oder der Gruppenmoderator.

Entsprechend hängt die jeweilige Sitzstrategie vom Selbstverständnis und den eigenen Zielen ab. Wer etwa keinen Führungsanspruch hegt und sich in der Rolle des Analytiker wohler fühlt, zieht sich besser auf einen Eckplatz zurück. Dort hat er alles im Blick, gerät kaum in mögliche Schussbahnen und hat genug Zeit, seine Schlüsse zu ziehen. Wer sich wiederum lieber als Teammoderator sieht, sucht idealerweise eine Tischposition, die ihm den Überblick über die gesamte Gruppe ermöglicht - zum Beispiel die Tischmitte an rechteckigen Konferenztischen.

Mit bewusst atypisch gewählten Positionen lässt sich allerdings auch manipulieren - und deren Wirkung zum eigenen Vorteil nutzen. Autoritäre Chefs, die etwa vom Tischende wieder zur Mitte rücken, wirken so automatisch volksnäher und werden wieder als Teamplayer wahrgenommen. Rutscht der smarte Analytiker aus seiner stillen Ecke zur linken Seite des Chefs, steigt sein Status, und er wird stärker als mögliche Führungsperson identifiziert. Und wechselt der ewige Widersacher unerwartet an die rechte Seite des Chefs, findet seine Kritik wahrscheinlich mehr Gehör: Die rechte Seite "wird in der Regel als sympathischer wahrgenommen und erhält höhere Aufmerksamkeit", so Schmidt-Tanger. Doch eines kann auch diese privilegierte Sitzposition nicht: den obersten Kritiker des Chefs in dessen Lieblingsmitarbeiter verzaubern.


Quelle: Handelsblatt (Wirtschaftswoche, Nr. 34, 20.08.2007), 13.09.2007.


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Der Inhalt dieser Seite wurde am 26.05.2016 um 09.45 Uhr aktualisiert.
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