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Lesezeichen [ Info senden # QR-Code ] Mo 24 April 2017 01:44:35


 Pressespiegel
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Auf der Suche nach dem geistigen Anker

Von PETRA KNIEBES

Mit Neurolinguistischer Programmierung ist vieles erlernbar - Behandlung von Ängsten - Therapieform birgt auch Gefahren

Köln - Als das sogenannte Neurolinguistische Programmieren (NLP) vor gut 25 Jahren entwickelt wurde, war es nicht mehr als eine Beschreibung dessen, was Kommunikation erfolgreich macht. Heute wenden zahllose Seminare und Bücher diese Erkenntnisse auf jeden erdenklichen Lebensbereich an: Ob in der Psychotherapie - etwa zur Behandlung von Phobien - oder im Verhaltenstraining, zur Gewichtsreduzierung, Raucherentwöhnung oder in der Personalführung, das NLP bietet jeweils effektive Strategien. Die Ursprünge der Methode führen nach Kalifornien zu Beginn der siebziger Jahre. Dort beschäftigte den Mathematiker Richard Bandler und den Linguisten John Grinder die Frage, warum "Startherapeuten" wie Virginia Satir, Milton H. Erickson und Frederick Perls soviel effizienter arbeiten als ihre Kollegen. Durch systematische Beobachtung entdeckten sie in bestimmten Kommunikationsmustern und Verhaltensweisen den Schlüssel zum Erfolg. Auf diese Strategien gründet sich das Neurolinguistische Programmieren. Wofür genau steht dieser Begriff? Das NLP basiert auf der These, daß menschliches Verhalten nicht angeboren ist, sondern gelernt werden muß. Man kann es also in gewisser Hinsicht programmieren. Demnach hat jeder Mensch - so eine weitere Prämisse - die Fähigkeit, sein Verhalten zu ändern. Er muß sich dafür nur von automatisierten, unbewußt ablaufenden Handlungen befreien und sich umprogrammieren. Und weil Denk- und Verhaltensmuster in der Sprache ihren Ausdruck finden, sich mit ihrer Hilfe sogar verändern lassen, wurde das Element "linguistisch" eingeführt. Der Wortbestandteil "neuro" zielt hingegen auf das Zusammenspiel zwischen Körper, Geist und Seele ab. Oder, wie die Psychologin und NLP-Therapeutin Cora Besser-Siegmund formuliert: "Wir können unser Gehirn benutzen, um uns mit unserem Körper zu unterhalten." Den wissenschaftlichen Beweis für diese zunächst nur theoretisch vermutete Interaktion trat die Psychoneuroimmunologie erst rund 20 Jahre nach der Geburtsstunde des NLP an. Dazu Professor Gerhard Uhlenbruck, emeritierter Direktor des Institutes für Immunbiologie der Universität Köln: "Die intensive Kommunikation zwischen Kopf und Körper wird zum Beispiel daran deutlich, daß Menschen, die unter großem Streß stehen, anfälliger für Krankheiten sind." Die Zellen unserer Immunabwehr seien ähnlich konzipiert wie die unseres Gehirns. "Das immunologische System ist quasi als sechstes Sinnesorgan mit dem Gehirn verbunden", Uhlenbruck weiter. "Die Abwehrzellen erfahren über Signalsubstanzen, was im Gehirn los ist - beispielsweise, daß der Mensch Streß empfindet. Und weil Streß eine immununterdrückende Wirkung habe, werde der gestreßte Mensch schneller krank. Um seinem Klienten dabei helfen zu können, bestimmte Verhaltensmuster abzulegen und sich neue, positive Zielvorstellungen zu erarbeiten, muß der NLP-Therapeut grundlegende Kommunikationsstrategien beherrschen. Dazu gehören unter anderem das "Pacing" und das "Leading": "Kommunikation ist nur erfolgreich, wenn ich mich auf den anderen einstelle und ihn in seiner subjektiven Wirklichkeit abhole, also wenn ich pace", sagt Psychologe und NLP-Trainer Thomas Rückerl. Erst dann könne er versuchen, auf seinen Klienten Einfluß zu nehmen und ihn zu führen (englisch: to lead). "Möglich wird diese Einflußnahme zudem nur mit Hilfe des sogenannten Rapports - wenn sich Therapeut und Klient intensiv aufeinander beziehen, eine verbale und körpersprachliche Synchronisation erreichen." Man könne auch einfacher sagen, daß sie "einen guten Draht zueinander finden". Ein weiterer zentraler Begriff des NLP ist das "Ankern", das auf dem Prinzip der klassischen Konditionierung beruht: Wir Menschen sind, nicht anders als der sprichwörtliche Pawlowsche Hund, auf bestimmte Reize programmiert. Ein Autofahrer, der eine rote Ampel sieht, wird automatisch bremsen. Die rote Ampel ist der Anker für den Fuß auf der Bremse, die grüne für den Tritt auf das Gaspedal. Bestimmte Reize lösen also eintrainierte Reaktionen aus. Anker erleichtern den Alltag, machen uns das Leben aber auch schwerer. Für Menschen mit einer Spinnenphobie ist jedes dieser Tiere ein Anker für die Reaktion "Panik". Der Betroffene kann sich rational noch so sehr zur Gelassenheit mahnen, gegen die unbewußte, übermächtige Kraft seiner Programmierung hat er keine Chance. "Mit dem NLP ankern wir die Spinne neu", erläutert Rückerl. Zunächst müsse dafür der alte Anker mit Hilfe von Dissoziationstechniken außer Kraft gesetzt werden: "Therapeut und Klient gehen auf eine Phantasiereise, auf deren erster Etappe sich der Phobiker zum Beispiel vorstellt, in einem Kino zu sitzen und einen Film über Spinnen zu sehen. Im zweiten Dissoziationsschritt betrachtet er die gesamte Szene von außen. Er sieht einen Film über einen Menschen, der im Kino einen Film über Spinnen sieht", beschreibt Rückerl das Vorgehen. "Solche Dissoziationen nehmen dem Anker die Macht. Dann können wir mit dem Klienten einüben, wie er in Zukunft auf eine Spinne reagieren möchte. Er wird auf eine andere Reaktion konditioniert", so Rückerl. Im Unterschied zu anderen Psychotherapien ist die Phase, die sich mit der Analyse des Problems befaßt, im NLP kurz. Die Methode arbeitet sehr zielgerichtet, fragt sehr rasch nach der Lösung und kommt daher oft schon mit nur wenigen Sitzungen aus. So unbestritten die Erfolge des NLP gerade in der Therapie von Phobien sind, in Sachen Konditionierung werden doch auch Zweifel laut: Manche Kritiker sehen im NLP nichts anderes als eine "oberflächliche Manipulationsmethode". Mit verschiedenen Testmöglichkeiten verfügt das NLP jedoch auch über Instrumente, um nach Nebenwirkungen und Risiken einer Vorgehensweise zu fragen. Damit sollen Manipulationen ausgeschlossen werden. "Ich muß mich als Therapeut in die Wirklichkeit des anderen einfühlen", warnt Rückerl. Der Therapeut solle sich immer die Frage stellen: Würde ich wollen, daß man das mit mir macht? "Ich muß mir bewußt sein, daß mit der Effektivität einer Veränderungsmethode auch die Gefahr der Nebenwirkungen steigt. Je wirksamer sie ist, desto größer ist ihr Einfluß auf das psycho-soziale System eines Menschen." Seriöse NLPer sind sich darin einig, daß es ihrer Methode keineswegs dienlich ist, auf zahllosen Buchdeckeln reißerisch als Heilslehre angepriesen zu werden, und daß sich viele schwarze Schafe auf dem Markt tummeln. Wer sich einer solchen Therapie unterziehen will, kann daher beim Deutschen Verband für NLP (DVNLP) in Dortmund (Tel. 0231/52 60 10) und die Deutsche Gesellschaft für Neurolinguistische Psychotherapie (DGNLPT) in Bielefeld (0521/12 32 69) nachfragen.


Quelle: Die Welt, 17. April 1998.


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Der Inhalt dieser Seite wurde am 26.05.2016 um 09.45 Uhr aktualisiert.
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