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Lesezeichen [ Info senden # QR-Code ] Sa 23 Sept 2017 21:54:47


 Pressespiegel
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Mich spült das nicht weg.

Von Anke-Sophie Meyer

Sie brauchen viele Standbeine, um überleben zu können: staatlich anerkannte psychologische Berater. Trotzdem ist die Ausbildung sehr beliebt.

Sind sie bereit für einen Gedankenausflug?", fragt Hendrik Lell. Was soll schon passieren? Immerhin befindet man sich im Praxisraum eines staatlich anerkannten Psychologischen Beraters. Lells Stimme strahlt etwas dämpfend Beruhigendes auf sein Gegenüber aus. Eine Sprechausbildung, wie sie Schauspieler und Moderatoren genießen, hat er nicht absolviert, wohl aber eine Ausbildung in Hypnosetechnik, erzählt er.

"Stellen Sie sich vor, sie gehen in ihre Küche, stehen vor dem Arbeitsbrett und haben in der linken Hand eine Zitrone, in der anderen ein Messer. Sie schneiden die Zitrone in zwei Hälften und führen die eine Hälfte zur Nase und atmen den Duft ein. Was spüren Sie? Verstärkten Speichelfluss?" Die Journalistin nickt. Die Frische der Zitronen hat sie tatsächlich geschmeckt. "Daran erkennen sie, wie sehr unsere Vorstellungskraft unser Bewusstsein bestimmt", kommentiert Lell.

Sein Arbeitsbereich ist weit gefächert: Er behandelt Flugangst, hilft Spitzensportlern, ihre Leistungsfähigkeit zu steigern und Golfern bei der Verbesserung ihres Handicaps.

Nicht immer in seinem 35-jährigen Leben hat Hendrik Lell über Vorstellungskraft und Bewusstsein doziert. Bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr hat er "alles und nichts" gemacht: Vom abgebrochenen BWL-Studium und Yachtvermietung in Spanien bis zum Rausschmeißer und Geschäftsführer in einem Flensburger Nachtlokal. Erst spät ließ er sich mit Leidenschaft und Engagement zum psychologischen Berater ausbilden und erwarb den kleinen und großen Heilpraktikerschein, mit dem er eine eigene Praxis eröffnen durfte.

Der Weg dorthin war lernintensiv. Zunächst musste er sich auf einen schriftlichen Test beim Gesundheitsamt vorbereiten. Im Multiple-Choice-Verfahren, das 60 Fragen umfasst, wird das gesamte Gebiet der Psychologie und Psychopathologie abgefragt. Nur wer die schriftliche Prüfung besteht, darf in die mündliche, eine Gruppenprüfung, vorgenommen vom zuständigen Amtsarzt, die von drei Wochen bis zu einem halben Jahr nach der Schriftlichen sein kann. Die Prüfungsgebühr beträgt um die 360 Euro.

"Die Prüfungen sind nicht zu unterschätzen", weiß Lell. "Die Durchfallquoten liegen bei 50 Prozent. Eine intensive Vorbereitung ist unverzichtbar. Lell findet das harte Auswahlverfahren in Ordnung. Immerhin soll man Menschen mit pathologischen Vorgängen helfen und bekommt vom Staat dafür eine Handlungsvollmacht. Da sollte man schon erkennen können, in welcher Phase der Suizidalität der Mensch ist, der einem gegenübersteht.

Lell rät zum Besuch einer Heilpraktikerschule, die den Schwerpunkt "Ausbildung zum Psychologischen Berater" anbietet. Auch als Autodidakt könne man die Prüfung schaffen, meint Lell. Allerdings sei das weniger anregend. "Gerade der Kontakt zu den Mitschülern, deren Fragen, Anregungen und Hilfestellung waren für mich bereichernd."

Wer sich zum Besuch einer Schule entscheidet oder sich anhand von Wochenendseminaren vorbereiten will, sollte zuvor genaue Erkundigungen über die Qualität der Ausbildung einholen. Eine gute Quelle für Erkundigungen sind ehemalige Absolventen. Denn fest steht, dass es unter den Anbietern auch schwarze Schafe gibt.

"Das Angebot der Schulen, die auf den kleinen Heilpraktikerschein vorbereiten, steht in keinem Verhältnis zu den Berufschancen der Absolventen", betont Ekkehard S. Scharnick, Verbandspräsident der deutschen Heilpraktiker. Nach seinen Schätzungen haben bundesweit rund tausend Absolventen den kleinen Heilpraktikerschein bestanden.

Die bestandene Prüfung wertete Lell als persönlichen Erfolg. "Niemand soll aber glauben, er hat danach genug Rüstzeug, um gut therapieren zu können. Dafür seien noch andere Ausbildungen nötig. Er selbst absolvierte eine in Hypnose und neurolinguistischer Programmierung (NLP). NLP untersucht die Muster, die durch die Interaktion zwischen dem Gehirn (Neuro), der Sprache (linguistic) und dem Körper entstehen, und die sowohl effektives als auch ineffektives Verhalten produzieren können. Letzteres kann der mit der NLP-Methode arbeitende Pychologische Berater verbessern. Der Klient lernt, wie er den Umgang mit Gefühlen und Stress besser kontrollieren kann.

Der Verdienst eines Psychologischen Beraters ist nicht unbedingt üppig. 45 Euro die Stunde beträgt das Honorar, das Lell berechnet. Seine Klienten muss er persönlich akquirieren, Flyer verteilen oder einfach nur ein Praxisschild aufhängen, hilft wenig. "Dazu braucht man ein funktionierendes Kommunikationsnetz", weiß Lell. Vorträge halten, Bücher schreiben und als Dozent arbeiten, hält er für wichtige Schritte beim Aufbau eines Klientenstammes. Zehn Jahre gibt er sich. Dann soll seine Praxis sich rechnen. Bis dahin setzt er auf seine drei Standbeine: die psychotherapeutische Praxis, seine Tätigkeit als internationaler NLP-Trainer und Dozent an der Paracelsus-Schule in Berlin.

Fragt man ihn nach dem Persönlichkeitsprofil, dass ein guter psychotherapeutischer Berater haben sollte, fällt Lell einiges ein: Er sollte als Persönlichkeit stabil sein und von sich selbst das Gefühl haben "mich spült das nicht weg", sich nicht überschätzen, und vor allem die Menschen mögen.


Quelle: Die Welt, 14. Februar 2004.


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Der Inhalt dieser Seite wurde am 26.05.2016 um 09.45 Uhr aktualisiert.
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